OccupyFrankfurt – Kein Reisebericht

Ich war im Camp. Im OccupyFrankfurtCamp. Jetzt schauen eventuell manche und haben keine Ahnung, was ich meine. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Tagen nämlich live erleben dürfen. Fast Niemand kennt das Camp und die damit verbundene Bewegung. Fast niemand? „Das muss gelogen sein. Es war doch in Frankfurt 10.000 Menschen bei der gestrigen Demo auf der Straße.“ Diese 10.000 kennen das Camp. Keine Frage. Doch kennen diese die Ziele? Was ist OccupyFrankfurt? Wer ist in diesem Camp? Leben dort nur Bettler und Trinker (Vergl. ), Drogensüchtige und Verlierer?

Es befinden sich derzeit knapp 100 Bewohner auf diesem Camp. Es ist gemischt. Es ist herzlich und eingeschworen. Es ist ergreifend, ungewohnt menschlich und offenherzig. Es ist das, was unserer aktuellen Gesellschaft irgendwie zu fehlen scheint. Ich möchte es nicht romantisieren. Ich möchte es auch nicht zu einseitig schildern. Natürlich leben dort auch Obdachlose. Eine Geschichte möchte ich kurz aufgreifen:

Paul kam vor 29 Tagen ins Camp. Er hatte 15 Jahre „Platte gemacht“. Das Camp nahm ihn auf, wies ihm ein Zelt und eine Aufgabe zu. Jetzt sind 29 Tage vergangen. Paul ist aufgeblüht – Trinkt nicht mehr den ganzen Tag. Er hat beschlossen zu entziehen und spricht vom Camp als Ort seine Resozialisierung: „Ich habe nichts mehr gehabt. Ich wollte auch nichts mehr haben in dieser kaputten, zerfressenen und entwürdigenden Gesellschaft. Jetzt bin ich hier. Das ist die Gesellschaft, die ich mir für immer wünschen würde.“

Eine Geschichte … Andere Geschichte:

Auf dem Camp befinden sich zwei Banker. Ja, genau … Das sind die, weswegen das Camp errichtet wurde. Die Beiden wollen Anonym bleiben – Was ja auch verständlich ist. Beide handeln mit Wertpapieren. Beide schilderten mir kurz, wie dieser Handel abläuft. „Du hast etwas, wo der Gegenwert schon meistens nicht wirklich gedeckelt ist. Dieses verkaufst Du unter dem Deckmantel der maximalen Gewinnsteigerung. Es ist schlimmer als Poker oder Automatenspiele – Wenn Du bei uns zockst, dann zockst Du mit dem Flügelschlags eines Schmetterlings und wartest auf den Sturm!“

Raus aus der Romantik und hin zu den 2 Kernproblemen:

Ich habe mit vielen Passanten und Besuchern gesprochen. Niemand weiss so recht, warum dieses Camp existiert. Es wird zu wenig aufgeklärt, was die Beweggründe und die Ziele sind. Informiert Euch und andere hier

Die Asamblea verhindert aktiv jedes Handeln und den Aktivismus. Jede noch so kleine Kleinigkeit wird ausdiskutiert. Dramatisch wird es, wenn man an Punkten schrauben möchte, die die sofortige Auflösung des Camps zur Folge hätten. Es sollte beschlossen werden, die Titel „Ordner“, welcher in den Demonstrationsauflagen einer jeden Stadt verpflichtend ist, durch das Wort „Helfer“ zu ersetzen. Dieses, weil „Ordner“ zu militant klingt. Über diese Kleinigkeit mit großer Wirkung wurde fast 3 Tage diskutiert …

Ich schließe einfach mit: Es ist kein Reisebericht. Der folgt extra. Die Bilder der vergangen Tage findet Ihr hier 

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